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Wie authentisch sind Zitate?

Die spannende Welt der Gänsefüßchen

 Zitate sind in Gesprächen und in Texten im wissenschaftlichen und literarischen Bereich ein Mittel, um Aussagen zu belegen und zu bestätigen, oder sie dienen als Diskussionsgrundlage. In den Medien werden sie besonders aus Gründen der Authentizität verwendet. Und trotzdem gibt es hier viele Möglichkeiten der Fehlinterpretation…

Eigentlich scheint es gar nicht schwer: Jemand sagt oder schreibt etwas. Ein anderer berichtet darüber, nimmt eine Aussage oder einen Teil davon als Beleg, setzt ihn in Anführungszeichen. Fertig! Und trotzdem geht der umstrittene Autor Akif Pirinçci nun anwaltlich gegen die Medien vor. Der Vorwurf? Falsches Zitieren. Also ist es vielleicht doch nicht so leicht?

Das meine ich wortwörtlich!

Beginnen wir von vorne: Direkte und indirekte Zitate in Artikeln haben verschiedene Funktionen. Rein stilistisch beleben sie einen Artikel und lockern ihn auf. Der Unterschied zwischen einem direkten und indirekten Zitat liegt darin, dass der Leser nicht die wörtliche Reproduktion erhält. Bei den indirekten Zitaten rekonstruiert der Verfasser den Inhalt der Aussage ganz oder teilweise, das heißt hier sind mehr Möglichkeiten, Subjektives einzubringen und demzufolge auch zu manipulieren.

Im Allgemeinen dienen Zitate der Distanzierung, Bestätigung oder als Ausgangspunkt und Diskussionsgrundlage in einem Beitrag. Es wird ein direktes Erleben ermöglicht. Der Leser fühlt sich durch Aussagen von Augenzeugen oder direkten Beteiligten näher am Geschehen und entwickelt Anteilnahme. Das Geschriebene wird weniger angezweifelt durch Zitate und impliziert einen höheren Wahrheitsgehalt. Die Anführungszeichen vermitteln somit eine Garantie auf eine wörtliche Wiedergabe. Die Verantwortung für das, was zwischen den Anführungszeichen steht, liegt bei demjenigen, der die Worte gesprochen oder geschrieben hat. Derjenige, der ein Zitat nutzt, fungiert als Arrangeur und ist für die Auswahl und Integration zuständig. Damit hat er eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Bitte ohne „ähm“!

Weglassungen werden durch Auslassungspunkte gekennzeichnet. Aber nicht alle Kürzungen oder Besonderheiten werden angezeigt. Spricht der Zitierte mit nasaler Stimme oder wie betont er das Gesagte? Die Eigenheiten der gesprochenen Sprache werden in der Regel außenvorgelassen, z.B. Stottern, Füllwörter wie „äh“ oder die Lautstärke der Stimme sowie Pausen. Gestrichen werden ebenfalls Räuspern, Wortkorrekturen oder ganz einfach Worte, die nicht als relevant angesehen werden. Das ist im Journalismus eine durchaus gängige Methode, um die Lesbarkeit zu erhöhen. Verändert sich damit der und das Zitierte? Wie würde eine Person mit folgendem Zitat wirken, wenn es so in der Zeitung stünde?

a) „Ich …äh…wir…sind uns sicher … ähm, … wie soll ich sagen … dass wir … die Situation voll … ähm … im Griff haben“, stottert der Politiker Hermann Müller.

 Auch Dialekte und Akzente werden oftmals nicht nachempfunden, sondern in die normale Schriftsprache überführt. Die Verwendung dieser beiden Elemente geschieht ebenfalls meist nur, um jemanden zu karikieren, somit auf einer anderen Ebene.

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