Notbremse auf Plattdeutsch

Dialekte auf dem Rückzug

Deutschland spricht Hochdeutsch. Wenn man TV und Radio einschaltet, klingt es überall ähnlich, egal ob Schwäbische Alb oder Usedom. Dass dies nicht der Realität entspricht, musste ich nach meinem Auszug aus dem Elternhaus feststellen.

Zum Studium ging es aus der badischen Provinz nach Trier. Standarddeutsch war die Sprache der Studierenden. Aufgewachsen mit Dialekt, zur Schule gegangen mit Dialekt und kaum einen Gedanken an Hochdeutsch verschwendet, wurde ich damit ins kalte Wasser geworfen. Dieses andere Deutsch fühlte sich unnatürlich an auf der Zunge. Zeitweise war diese Umstellung so anstrengend und kräftezehrend, dass ich nach einem langen Tag immer wieder in meine Mundart zurück fiel. Dann wurde gelacht. Warum ich denn so komisch rede und was ich denn jetzt genau damit meinte, wenn sich Ausdrücke wie „festheben“ oder „dabbich“ in meinen Wortschatz schlichen. Nicht nur mir ging es so und wer sich auf dem Campus ein wenig Zeit nahm, konnte ganz Deutschland zuhören.

Denn das deutsche Sprachgebiet gleicht eigentlich einem Flickenteppich aus Dialektgruppen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Diese Lokalsprachen verlieren jedoch immer mehr an Bedeutung. Warum ist das so und wie sieht die Zukunft der deutschen Sprache aus? Wird es Dialekte bald nicht mehr geben?

„Dialekt wird nach und nach aufgegeben werden, weil man ihn für die Kommunikation nicht mehr braucht“, sagt Alexander Werth vom Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in einem Artikel auf welt.de. Verständigung muss flüssig sein, es soll schnell gehen. Da bleibt keine Zeit, sich mit lokalen Besonderheiten herumzuschlagen. Herkunft ist ein weiterer Stichpunkt, insbesondere dann, wenn die eigene Sprache im Rest des Landes belächelt wird. Laut Meinungsforschungsinstitut You Gov sammelt jemand mit Bairisch mehr Sympathiepunkte als seine sächselnden Mitmenschen. Wer nicht auf seine Sprechart reduziert werden will, sieht sich gezwungen, seine Mundart abzulegen. Bei zunehmender Mobilität, ist sich verständliche Kommunikation wichtiger als die eigene lokale Identität. Wer fern der Heimat lebt und arbeitet, muss auf Hochdeutsch als Kommunikationsmittel zurückgreifen.

Während die Großeltern noch im tiefsten Dialekt miteinander schwätzen, unterhält sich die Jugend zunehmend auf Hochdeutsch. Zwischen Jung und Alt ist eine Kluft entstanden. Im Elsass sprechen laut OLCA (Office pour la Langue et la Culture d’Alsace) noch knapp drei Viertel der über 60-Jährigen ihren deutschen Dialekt. Bei den 18 – 29-Jährigen sind es etwas über zehn Prozent. Französisch ist im Alltag schlichtweg wichtiger als die regionale Sprache. Warum sollte sie dann noch jemand nutzen?

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