German Angst - Augen

German Angst

Unsere Nachbarn wissen es schon lange: Wir Deutschen sind ein Volk von Bedenkenträgern, durchleben kaum einen Tag ohne Existenzangst und hassen Veränderungen.

So tief sitzt das Klischee über uns Deutsche, dass im Anglo-Amerikanischen Raum von „German Angst“ gesprochen wird. Was macht diese vermeintlich typisch deutsche Angst aus? Und was unterscheidet sie zum Beispiel von der englischen Angst „fear“, dass es eines eigenen Fremdwortes bedarf?

Die Wikipedia schreibt zu Angst als Germanismus im Englischen: „German Angst (englisch, etwa: ‚typisch deutsche Zögerlichkeit‘ [wird] im angelsächsischen Sprachraum als charakteristisch empfundene, gesellschaftliche und politische, kollektive Verhaltensweise der Deutschen bezeichnet.“

Das british dictionary beschreibt die „German Angst“ zum einen als „unspezifischen Zustand der Ängstlichkeit und Reue“, zum anderen die im Existenzialismus gebräuchliche Verwendung des Wortes „Angst“ für „das Grauen, dass aus der Erkenntnis des Menschen entsteht, das die Zukunft nicht geschrieben steht, sondern Resultat unserer Entscheidungen sei.“ Die Formulierung ist anders, aber die Essenz bleibt: Wir Deutschen mögen angeblich keine Entscheidungen. Haben sogar Angst vor ihnen.

Sind die Deutschen ängstlicher als andere?

Die Journalistin Anja Ritter hat Edition F geschrieben: „Objektiv gesehen ging es Deutschland nie besser: Die Wirtschaft brummt, wir leben in relativem Frieden und Wohlstand. Mit einer Arbeitslosenquote um die vier bis fünf Prozent herrscht beinahe Vollbeschäftigung. Obendrein sind wir Fußballweltmeister. Eigentlich könnten wir zufrieden sein. Eigentlich.“

Trotzdem seien wir getrieben von Ängsten: Zukunftsängsten, Verlustängsten, Bildungsängsten, Verarmungsängsten, Abstiegsängsten, der Angst davor, in der falschen Stadt zu wohnen oder nur den zweitbesten Partner zu wählen. Für die echten Herausforderungen im Leben gebe es selbst im überversicherten Deutschland keine Schutzpolice.

Heinz Bude, einer der führenden deutschen Soziologen, diagnostiziert eine „Gesellschaft der Angst“, in der wir seiner Ansicht nach lebten. Diese Angst könne man überall sehen: In nervösen Eltern, die wie Helikopter um ihre Kinder kreisen. In der Startup-Szene, die im internationalen Vergleich noch immer zu wenig Gründungen hervorbringe. Bei den Tausenden, die seit einiger Zeit jeden Montagabend in Dresden mit Ressentiments auf die Straße ziehen.

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