Collage aus Flaggen

Von dem Wunsch, die ganze Welt zu verstehen

Es gibt Leute, die planen Städte. Betrachtet man die von oben, dann sieht man schnurgerade Häuserreihen und ein symmetrisches Straßennetz. Es gibt auch Leute, die planen Sprachen. Nicht nur für eine Stadt, sondern für die ganze Welt.

Glaubt man der Bibel, dann gab es eine Zeit mit nur einer Sprache, sodass sich alle Menschen miteinander unterhalten konnten. Eines Tages kommt man jedoch auf die Idee: „Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, des[sen] Spitze bis an den Himmel reiche, daß wir uns einen Namen machen!“ (1. Mose 11, 4; Bibelübersetzung nach Luther)

Gott hält das für ziemlich anmaßend und befürchtet, es wäre auch erst der Anfang. Da alle die gleiche Sprache sprechen und sich als ein großes Volk ansehen, ist ihnen im Grunde nichts unmöglich. Er beschließt daher: „Wohlauf, lasset uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, daß keiner des andern Sprache verstehe! Also zerstreute sie der Herr von dort in alle Länder, daß sie mußten aufhören die Stadt zu bauen.“ (1. Mose 11, 7f.; Bibelübersetzung nach Luther)

Turm von Babel

„Großer Turmbau zu Babel“
Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren

Dieser Hochmut und die Strafe der sogenannten babylonischen Sprachverwirrung sind dem biblischen Gedanken nach die Gründe, wieso man heutzutage Fremdsprachen lernen muss oder DolmetscherInnen benötigt, um sich mit Menschen aus anderen Ländern austauschen zu können.

Back to the roots

Spätestens seit der Globalisierung ist die internationale Kommunikation essentiell. Es etablieren sich Weltsprachen, wie zuerst das Französische und dann das Englische, die als Verkehrssprachen (lingua franca) die Kommunikation im Handel, der Verwaltung und in der Wissenschaft erleichtern. Dennoch wird keine dieser Sprachen ganz offiziell zum universellen Kommunikationsmittel ernannt, denn wie würde man das rechtfertigen? Überhaupt hat man doch seinen Nationalstolz und es stößt auf gewissen Unmut, dass eine Sprache die vielen anderen dominiert. Wäre es da nicht eine naheliegende Lösung, zurück zum Ursprung zu gehen und der Menschheit eine gemeinsame Sprache zu schenken?

Weltkugel mit Menschen als Zeichen der internationalen Verständigung
Genau hier setzen die Plansprachen an, die als Welthilfssprachen die internationale Verständigung ermöglichen und gleichzeitig „neutral“ sein sollen. Man kombiniert Elemente verschiedener Sprachen und reduziert die Grammatik auf das Wesentliche. Durch diese Vereinfachungen einerseits und den Rückgriff auf Bekanntes andererseits, sollen Plansprachen möglichst leicht und schnell erlernbar sein.

 

Damit ihr davon einen Eindruck bekommt, werden in den folgenden Artikeln von den mittlerweile über 40 Plansprachen zwei vorgestellt:

Volapük – Die erste Plansprache mit nennenswerter Verbreitung

Esperanto – Die wohl bekannteste und gängigste Plansprache

 

    • Einen Aufsatz von Detlev Blanke zum Thema „Plansprachen und europäische Sprachenpolitik“ findet ihr hier.
    • In Umberto Ecos Buch „Die Suche nach der vollkommenen Sprache“, erschienen 1994 im C.H. Beck Verlag, gibt es ein informatives Kapitel zu den Welthilfssprachen. Lasst euch nicht von den komplizierten Formulierungen im Inhaltsverzeichnis abschrecken, das erwähnte Kapitel lässt sich recht gut lesen.
    • Vor allem mit Plansprachen befasst sich auch der sehr interessante und umfassende Artikel zu künstlichen Sprachen, den ihr auf Spiegel Online findet. Ansehen

(ykr)

 

Titelbild:
„Flaggen-Collage“, mit freundlicher Genehmigung von „geralt“ (Pixabay)
/ CC0 Public Domain

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s