Die Geschichte des Volapük

„Volapük“, das klingt irgendwie lustig. Wie ein Wort, das sich jemand ausgedacht hat. Und dieser jemand ist Johann Martin Schleyer. Er hat nicht nur den Namen, sondern eine ganze Sprache erfunden.

Johann-Martin-Schleyer-1888

Johann Martin Schleyer, 1888

Volapük ist die zweite Plansprache überhaupt und die erste, die sich in erwähnenswertem Maß international verbreitet hat. Ins Leben gerufen wurde sie um 1879 in einem kleinen Örtchen am Bodensee von dem Priester, Musiker und Autor Johann Martin Schleyer, den man wohl auch als Hobby-Sprachwissenschaftler bezeichnen kann. Er eignete sich nicht nur Fremdsprachen an, sondern experimentierte auch an einem „Tastalphabet“ für Blinde und entwickelte ein „Weltalphabet“. Sein Traum war es, die Menschheit durch eine gemeinsame Sprache zu vereinen und dafür braucht man schließlich eine einheitliche Schreibung. Nachdem er zunächst versuchte, das Deutsche, Englische, Französische, Spanische, Italienische und Russische in eine Sprache namens Völkerdolmetsch zu mixen, kam ihm eines Nachts die Eingebung des Volapük. Dass vor ihm schon andere mit geringem Erfolg an einer Plansprache gebastelt hatten, war ihm damals nicht bekannt.

Die Idee einer Weltsprache trifft den Nerv der Zeit

Sein Weltalphabet wie auch seine Weltsprache stellte Schleyer in der von ihm herausgegebenen, katholischen Zeitschrift „Sionsharfe“ und später auch in anderen Zeitungen und Fachblättern vor. Er verfasste zudem ein Lehrbuch, in welchem er die Grammatik des Volapük erläuterte und das er um ein Wörterbuch ergänzte. Das Motto seiner Weltsprache „Eine Menschheit – eine Sprache“ begeisterte tausende Menschen und Schleyers Buch war in kürzester Zeit vergriffen. Recht schnell entstanden in zahlreichen Ländern Weltsprachevereine, es gab Magazine für Freunde des Volapük und 1881 erschien erstmals das „Weltspracheblatt Volapükabled“.

Weltspracheblatt-Volapükabled

In einer Jubiläumsausgabe zum zehnjährigen Bestehen des Volapük schreibt Rupert Kniele: „Das Jahr 1888 schloß mit der Zahl von 885 Weltsprachelehrern […]. Eine sichere Zahl der Volapük-Kenner und -Lernenden auf der ganzen Erde läßt sich nicht festsetzen, da die wenigsten einem Verbande angehören, wenn aber dieselben vielfach auf 1½ – 2 Millionen geschätzt werden, so glaube ich, daß diese Zahl eher zu nieder als zu hoch gegriffen ist. Unterrichtskurse wurden an 272 Orten erteilt und Vereine zählt man jetzt 253.“ (1889: 69)

Zum Scheitern verurteilt

Der kometenhafte Aufstieg des Volapük soll jedoch ein jähes Ende finden, als Wissenschaftler auf der Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 die Gründung der „Delegation zur Annahme einer internationalen Hilfssprache“ beschließen. Schleyers Vorbild waren andere gefolgt, sodass mittlerweile mehrere Plansprachen dem Volapük Konkurrenz machten. Eine davon, die einfachste, natürlichste und verständlichste, sollte zur offiziellen Weltsprache ernannt werden. Eine Expertenkommission lauschte also sieben Jahre verschiedenen Sprachen, lud zu Konsultationen und befragte einen Querschnitt der Gesellschaft. Das Volapük galt als schwer erlernbar und klang sehr befremdlich, weshalb es schnell ausschied. Dem wesentlich einfacheren Esperanto war man sehr zugetan und beschloss daher, es zu perfektionieren. Als Weltsprache präsentierte man schließlich Ido, das sich aber nicht durchsetzte.

1908 wurde die Herausgabe von Volapükabled eingestellt und im Laufe der folgenden Jahre wandten sich immer mehr Anhänger vom Volapük ab. Letztendlich muss man sagen, dass auch Schleyer selbst dem dauerhaften Erfolg seiner Sprache im Weg stand. Sämtlichen Reformvorschlägen verweigerte er sich strikt, da er als Erfinder des Volapük ganz alleine über dessen Entwicklung bestimmen wollte.

Nichtsdestotrotz gelten Johann Martin Schleyer und sein Volapük als Wegbereiter der Plansprachenbewegung.

 

    • Einen umfassenden Einblick in die Entstehung und die Anfangsphase des Volapük vermittelt das Buch „Das erste Jahrzehnt der Weltsprache Volapük“ von Rupert Kniele, das 1889 im Verlag A. Schoy erschien. Bei Wikisource findet ihr sogar den digitalen Volltext. Ansehen
    • Durch Plansprachen im Allgemeinen und das Volapük im Besonderen führt euch die virtuelle Ausstellung „Zwischen Utopie und Wirklichkeit. Konstruierte Sprachen für die globalisierte Welt“ der bayerischen Staatsbibliothek. Ansehen

(ykr)

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