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Dialekte

Hochsprache oder Dialekt?

Als ich von Sachsen-Anhalt nach Sachsen zog, hatte ich teilweise große Probleme, den Dialekt meiner Mitmenschen zu verstehen. Kaum vorstellbar, wo ich doch keine zwei Autostunden entfernt aufgewachsen bin. Doch es war eben ein anderes Sprachgebiet. Die Sachsen-Anhalter glauben ja oft, sie sprächen Hochdeutsch aber von anderen können sie sehr schnell als Anhalter identifiziert werden. Allerdings ist ihr Dialekt der Standardsprache schon sehr nah, dessen Zentrum soll nämlich in Hannover liegen.

Die Entwicklung

Aber wie kam das? Noch im 18. Jahrhundert galt Sächsisch als das beste Deutsch. Vorausgegangen war, dass sich Luther bei der Übersetzung der Bibel stark an der kursächsischen Schriftsprache orientierte. Er wollte eine Übersetzung schaffen, die von allen Menschen hierzulande verstanden würde und die kursächsische Kanzleisprache hatte die meisten überregionalen Elemente, weshalb er sich für diese Sprache entschied. Als Sachsen an politischem Einfluss verlor und die Aussprache einen immer schlechteren Ruf bekam, wandte man sich dem Plattdeutschen aus dem Raum Hannover zu. Hier war die geschriebene Sprache am deutlichsten artikuliert und konnte sich, als grammatikalische Regeln geschaffen wurden, als Hochdeutsch durchsetzen.

Was ist nun aber ein Dialekt?

Das Fremdwort Dialekt kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet Umgangssprache / Mundart und ist demzufolge dasselbe.

Dialekte sind lokale Variationen, die teilweise weit vom standardisierten Deutsch entfernt sind und eine eigene Grammatik aufweisen. Ich denke da an das Sächsische. Hier werden die stimmlosen Plosive p, t, k durch die stimmhaften Plosive b, d, g ersetzt. Der Sachse mag es lieber „weich“. Ein gutes Beispiel ist das Modschegiebchen (Marienkäfer) – hier gibt es kein t, kein k und auch kein p. Ein Dialekt ist außerdem identitätsstiftend. Vielleicht kennt ihr das: Man ist weit entfernt von Zuhause und hört jemand Fremdes den eigenen Dialekt sprechen. Da fühlt man sich irgendwie heimisch und der Gegenüber erscheint sympathisch. Lange Zeit galt die Auffassung, dass Dialektsprecher zwar nett aber dumm wären. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen aber, dass Menschen die ausgeprägt mundartlich sprechen eine größere Sprachkompetenz haben. Heinz-Peter Meidinger, der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, gab in der Süddeutschen Zeitung folgenden Grund dafür an: „Dialektsprecher lernen früh, zwischen verschiedenen Sprachebenen zu unterscheiden. Das trainiert die Auffassungsgabe und das abstrakte Denken.“ So kann es Kindern, die Dialekt sprechen auch leichter fallen, eine zweite Fremdsprache zu lernen.

Wie entstanden die Dialekte und wie viele gibt es?

Die Dialekte zu zählen ist aufgrund der nicht eindeutigen Abgrenzbarkeit schwierig. Das eine ist Regionalsprache, das andere Dialekt. So teilt man beispielsweise das Hessisch in folgende vier Dialekte ein: Nordhessisch (um Kassel), Mittelhessisch (um Marburg und Gießen), Osthessisch (um Fulda) und Südhessisch (um Frankfurt und Darmstadt). In Sachsen gibt es nicht nur das Sächsisch. Verbreitet sind auch das Erzgebirgisch, Vogtländisch und die Leipziger Mundart. Man hört sprachliche Unterschiede zwischen Städten wie Dresden, Chemnitz und Zwickau. Hierbei handelt es sich dann aber um regionale Aussprachevarianten.

Wie die Mundarten entstanden sind kann man nicht ganz genau sagen. Aber man kennt wesentliche Einflussfaktoren auf die Sprache. Da gab es um 500 v. Chr. die erste Lautverschiebung und um 500 n. Chr. dann die zweite Lautverschiebung (interessante Literatur dazu findet ihr am Ende des Artikels). Durch diese sogenannten Konsonantenverschiebungen, wie eingangs erwähnt (bspw. Plosive p, t, k) hat sich die deutsche Sprache vom Germanischen abgespalten. Der Lautwandel ging vom Süden aus – hier wurde die Lautverschiebung noch vollständig durchgeführt – und schwächte zum Norden hin immer weiter ab, wie beim Spiel „Stille Post“ könnte man sagen. Da die Lautverschiebung im Norden gar nicht mehr ankam, blieb das Germanische dort erhalten. Aber warum liegt dann nicht im hohen Norden das Zentrum der Standardsprache? Das liegt zum einen natürlich an eben jener Lautverschiebung. Das geschriebene Wort Pflanze würde man im Niederdeutschen als Plante aussprechen. Da kommt das Hannoversche Platt der Schriftsprache am nächsten. Zum anderen wirkten im Norden auch sprachliche Elemente von anderen Sprachen ein, wie zum Beispiel dem Dänischen und dem Niederländischen.

Heute sagt man, dass im Süden Oberdeutsch gesprochen wird, im Norden Niederdeutsch und dazwischen Mitteldeutsch. Da sich die innerdeutschen Grenzen im Laufe der Geschichte verschoben haben, kann man Mundarten auch nicht an Bundeslandgrenzen festmachen. Als grobe Gliederung der Variationen dienen hier Isoglossen. Das klingt sehr wissenschaftlich, ist aber schnell erklärt. Isoglossen sind Linien in der Sprachgeographie, bei denen ein beispielhafter sprachlicher Ausdruck diesseits und jenseits der Linie in unterschiedlichen Formen auftritt. Die Benrather Linie beispielsweise zeigt die Grenze an der man nördlich „maken“ sagt und südlich „machen“.

Isoglossen

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