Das grosse Ganze

Eine Einordnung

Der Mensch hat sich entwickelt. Als Höhlenmenschen wurden wir von unseren Instinkten geleitet und wir haben Bedürfnisse, wie essen oder schlafen befriedigt. Dann haben wir das Feuer entdeckt, das Rad erfunden und mittlerweile das digitale Zeitalter eingeläutet. So wie wir, hat sich auch unsere Sprache verändert.

Natürliche vs. konstruierte Sprachen

natuerliche-Sprachen

Das Deutsche, Englische, Spanische, Japanische oder auch die Gebärdensprache sind natürliche Sprachen. Sie sind im Laufe der Zeit, zum Zweck der zwischenmenschlichen Verständigung entstanden und unterliegen einem steten Wandel. Demgegenüber stehen die sogenannten Kunstsprachen oder künstlichen bzw. konstruierten Sprachen, die einfach frei erfunden wurden. Die Gründe hierfür und die Ziele, die man mit solchen Sprachen verfolgt, können ganz unterschiedlich sein. Dementsprechend lassen sich konstruierte Sprachen in verschiedene Kategorien einteilen.

Die Geheimsprachen

Da gibt es zum einen die Geheimsprachen, die Gespräche ermöglichen sollen, die nur Eingeweihte verstehen. Kinder denken sich gerne solche Sprachen aus, wobei sie meist einfach Buchstaben oder Silben ihrer Muttersprache vertauschen oder hinzufügen. Diese sehr simple Sprachform wird teilweise von den Geheimsprachen abgegrenzt und als Spielsprache bezeichnet. Richtige Geheimsprachen, wie sie etwa die Freimaurer verwendeten, sind häufig auf das Schriftsystem beschränkt. Mithilfe eines zuvor entwickelten Schlüssels werden Nachrichten kodiert, indem beispielsweise Buchstaben durch andere Buchstaben oder Zeichen ersetzt werden.

Beispiel:

Geheimsprache-im-Freimaurer-Code

Das Wort „GEHEIMSPRACHE“ im Freimaurer-Code

Schlüssel-Freimaurer-Code

Schlüssel für den Freimaurer-Code

Formale Sprachen

Ebenfalls erfunden sind die sogenannten formalen Sprachen, die man im Bereich der Mathematik, Logik und Informatik findet. Statt für die zwischenmenschliche Verständigung, benutzt man sie für mathematische Beschreibungen und die Verarbeitung von Daten. Sie bestehen daher aus Formeln, Variablen oder Algorithmen. Ein Beispiel sind Programmiersprachen wie C oder html.

Programmiersprache-Code

Beispiel einer Programmiersprache

Die Plansprachen

Zu den konstruierten Sprachen zählen außerdem die Plansprachen. Sie werden mit dem Ziel entwickelt, eine internationale Kommunikation zu ermöglichen. Man spricht daher auch von Hilfssprachen bzw. Welthilfssprachen. Plansprachen besitzen in der Regel eine sehr einfache Grammatik, sind systematisch und setzen sich oftmals aus Elementen natürlicher Sprachen zusammen. Dadurch sollen sie besonders leicht erlernbar sein. Eine der ersten Plansprachen war Volapük, die wohl bekannteste ist Esperanto.

Fiktionale Sprachen

Besonders populäre Kunstsprachen sind die sogenannten fiktionalen Sprachen, die als Teil einer fiktionalen Welt erdacht werden. Man findet sie vorwiegend in Film und Fernsehen sowie in Büchern, aber auch in Computerspielen. Sie besitzen ein spezifisches Vokabular und normalerweise auch eine eigene Grammatik. Entwickelt werden solche fiktionalen Sprachen meistens von SprachwissenschaflterInnen, die nicht nur Wörter aneinanderreihen, sondern sich ein komplexes und authentisches Sprachsystem ausdenken.

Neben dieser groben Einteilung gibt es noch weitere Unterscheidungen und teilweise auch andere Zuordnungen. Beispielsweise bezeichnen einige WissenschaftlerInnen die Programmiersprachen als Kunstsprachen und meinen damit all die Sprachen, die nicht der zwischenmenschlichen Kommunikation dienen. Andere nennen als Unterkategorie der künstlichen Sprachen auch die künstlerischen Sprachen, die für ästhetische oder satirische Zwecke erdacht werden. Ein Beispiel hierfür ist Starckdeutsch, das von dem Maler und Dichter Matthias Koeppel 1972 erfunden wurde. Zu den so definierten künstlerischen Sprachen werden außerdem die Spielsprachen, aber auch die Geheimsprachen und die fiktionalen Sprachen gezählt.

Ihr seht, die unterschiedlichen Benennungen und Einteilungen können für Verwirrung sorgen. In den folgenden Artikeln wird daher ganz allgemein von konstruierten Sprachen die Rede sein. Da sich die meisten Informationen zu diesem Thema im englischsprachigen Raum finden, solltet ihr außerdem den Begriff conlang kennen, die Kurzform für constructed language.

    • Geheimsprachen findet ihr spannend? Eine gute, wenngleich schon ältere Einführung ins Thema ist das Buch „Geheimsprachen: Geschichte und Techniken“ von Albrecht Beutelspacher, erschienen 1997 im C.H. Beck Verlag.
    • Ein sehr umfassender Artikel zu den „poetischen Knallbonbons“ von Matthias Koeppel erschien 1980 in Die Zeit.  Ansehen
    • Wenn ihr euch für Plansprachen und/oder fiktionale Sprachen interessiert, dann lest einfach die anderen Beiträge in dieser Rubrik.

(ykr)

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