Da Vinci's Vitruvianischer Mann

Liebe Krankenbrüder und Stewards!

Wie kommt eine Literaturwissenschaftlerin auf die Idee, zu behaupten, die „Frau“ existiere gar nicht? Ist das nicht etwas hysterisch? Nicht so sehr, wie ihr vielleicht denkt.

„Strenggenommen kann man nicht sagen, dass die ‚Frau‘ existiert.“
Julia Kristeva, zitiert von Judith Butler in „Gender Trouble“

Viele von uns fragen sich, ob es denn wirklich so wichtig sein kann, ob die Grundform einer Berufsbezeichnung nun „Richter“ oder „Richterin“ ist. Zwischen die Unsicherheit bei der Wahl zwischen Schrägstrich, Unterstrich, Sternchen oder binnen-I (wie in SchülerInnen), mischt sich manches Mal Frust über die gendergerechte Sprache. Wofür soll das gut sein?

Wie kommen Gelehrte, wie die  Psychoanalytikerin Luce Irigaray zu  der Behauptung, trotz der Einteilung in zwei Geschlechter diene nur ein einziges, nämlich das männliche, als „universeller Bezugspunkt“? Ich habe noch nie mit Absicht jemanden ausgegrenzt, wenn ich von Polizisten oder Fußballern gesprochen habe. Ich meine damit auch explizit alle Menschen, die dieser Berufsgruppe angehören. Dachte ich zumindest. Naja bei Fußballern ist das vielleicht auch nicht ganz ehrlich.

Es sind die letzten Jahre meiner Großmutter gewesen, die mich ins Grübeln brachten. Auf der Palliativstation liegend, verlangte sie andauernd Hilfe von den Schwestern. Was in ihrem Fall bedeutete: Männliche Pfleger, nein Danke! Es heißt ja schließlich Krankenschwester, nicht Krankenbruder. So einfach ist das. Da konnte sie noch so starke Schmerzen haben. Zugegeben, Krankenbruder, das klingt auch für mich etwas holprig. Und trotzdem komme ich selten auf die Idee, von Pflegerinnen und Pflegern zu sprechen. Die Bezeichnung „Krankenschwester“ ist auch in meiner Alltagssprache synonym mit dem Beruf der Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen.

Für meine Großmutter war offenbar das Konzept des Umsorgt- und Gepflegt-Werdens in sich schon weiblich und daher mit dem Wort „Schwester“ verknüpft. Und da fiel mir auf: Es gibt tatsächlich nicht so viele Beispiele, in denen die Grundform der Berufsbezeichnung die weibliche ist! Meinte Kristeva etwa das, als sie zu ihrer Aussage kam, Frauen gäbe es strenggenommen gar nicht?

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